• Frau stellt Faden zum Weben her
  • Webstuhl Kambodscha
  • Verschiedene Farben zum Weben der Stoffe
  • Muster werden besprochen in der Weberei in Kambodscha

Basik 855

Die Geschichte von Basik 855 begann wie viele Dinge im Leben: Zunächst durch Zufall und schließlich durch Bestimmung. Bei einer Reise durch Kambodscha lernte der Amerikaner Daniel Flickinger 2010 in Siem Reap den TukTuk-Fahrer Kongkea Chhay kennen. Die beiden verstanden sich so gut, dass Daniel beschloss, Kongkea finanziell zu unterstützen, damit dieser seine Ausbildung fortsetzen kann.

Als Daniel ein Jahr später nach Kambodscha zurückkehrte, wurde er von Kongkeas Familie zum Dank für seine Unterstützung in ihr kleines Heimatdorf Cheu Teal in der südlich von Phnom Penh gelegenen Provinz Takeo eingeladen. Als weiteres Dankeschön schenkte ihm die Familie handgewebte Ikat-Stoffe, die in dieser Region eine Jahrhunderte alte Tradition haben. Beeindruckt und fasziniert von der Handwerkskunst der Ikat-Webtechnik und zugleich schockiert von den ärmlichen Verhältnissen im Dorf, entstand die Idee zu Basik 855.

Angetrieben von dem Gedanken, dass in einer idealen Welt jeder Geschäftsbetrieb für alle Beteiligten fair ablaufen sollte und jeder Mensch eine gerechte Entlohnung für seine geleistete Arbeit verdient hat, gründete Daniel Flickinger eine Weberei. Das Ziel von Basik 855 war – neben der Schaffung von sicheren und gesundheitlich unbedenklichen Arbeitsplätzen – das Wiederaufleben traditioneller Ikat-Webtechniken.

Ikat ist ein Teil kambodschanischer Geschichte. Früher wurden die Stoffe lediglich für Könige sowie für die Verehrung von Göttern hergestellt. Mit modernen Designs und Farbmustern, verarbeitet auf traditionelle Weise, will Basik 855 nachhaltige Arbeitsplätze schaffen, die zu verbesserten Lebensbedingungen für die Handwerker/-innen und ihre Familien führen.

Derzeit werden 46 Menschen in der Weberei beschäftigt, die ihr traditionelles Handwerk in den unterschiedlichen vier Phasen der Ikat Webtechnik ausüben. Basik 855 gewährt den Handwerker/-innen neben einer überdurchschnittlich hohen Entlohnung weitere Sozialleistungen wie eine medizinische Versorgung, Angebote von jährlichen Sehtests, Feiertage, bezahlten Urlaub und Mutterschutz. Die menschenwürdigen Arbeitsbedingungen in der Nähe ihres Zuhauses unterscheiden sich gravierend von den sonst üblichen ausbeuterischen Bedingungen in landesüblichen, entfernt gelegenen Textilbetrieben.

Die Ikat-Stoffe werden in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern in Phnom Penh zu großen und kleinen Taschen verarbeitet. Basik 855 arbeitet dabei mit gleichgesinnten Nichtregierungsorganisationen zusammen: Friends International und STOPStart sind Organisationen, die sich für die Stärkung von Kindern und Frauen engagieren, die dem Menschenhandel zum Opfer gefallen sind. Ferner arbeitet Basik 855 mit der Kambodschanerin Sros zusammen, die als selbständige Schneiderin in Cheu Teal ein kleines Team aufgebaut hat.

Und was ist aus Kongkea Chhay geworden? Er betreut und plant mittlerweile die Produktion der gesamten Herstellung der Ikat-Stoffe und ist so als Produktionsmanager für Basik 855 unersetzlich geworden.

Zur Situation der Menschen in Kambodscha

Kambodscha ist noch heute von dem grauenvollen Völkermord während des Roten Khmer-Regimes unter der Führung des damaligen Ministerpräsidenten Pol Pot in den 1970er Jahren gezeichnet. Mit seinen rund 14 Millionen Einwohnern zählt das Land noch immer zu einem der ärmsten Länder Südostasiens. Ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Wirtschaftswachstum gibt es hauptsächlich im Tourismus und beim Export von Textilien. Da sich der Tourismus aber nur auf wenige Städte konzentriert und ein Mangel an Arbeitsplätzen und Bildungsmöglichkeiten besteht, gibt es große soziale und wirtschaftliche Unterschiede zwischen den ländlichen Gebieten und den Städten.

Frauen haben in Kambodscha noch immer eine niedrige Stellung in Gesellschaft und Politik im Vergleich zu Männern. Viele Frauen, aber auch Männer und Kinder, werden Opfer sexueller Ausbeutung und Zwangsarbeit in Fabriken und privaten Haushalten. Obwohl die kambodschanische Regierung auf internationalen Druck hin bereits 2008 das Gesetz gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung einstimmig verabschiedet hat, werden Frauen noch immer in benachbarte Länder verkauft. Da Teile der Polizei und Behörden in das Netzwerk der Menschenhändler involviert sind, nehmen diese Probleme weiter zu.

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