Olivia & Diego

Das Label Olivia & Diego wurde 2013 von der Philippinerin Yana Santiago gegründet. Schon während ihres Modedesign-Studiums arbeitete Yana bei gemeinnützigen Organisationen und Sozialunternehmen auf den Philippinen. Diese Erfahrungen und ihr Wissen um den weit verbreiteten Menschenhandel in ihrem Heimatland als Folge von Armut und mangelnder Bildung veranlasste sie, ein eigenes Unternehmen zu gründen und dabei gezielt Frauen in schwierigen sozialen Situationen zu unterstützen.

Olivia & Diego arbeitet inzwischen mit ca. 30 Philippinerinnen zusammen. Unter ihnen sind Frauen, die mithilfe der lokalen Nichtregierungsorganisation Talikala der Prostitution und dem Menschenhandel entkommen konnten sowie Mütter aus benachteiligten Gesellschaftsschichten, die durch ihre Kinder stark an zuhause gebunden sind. Durch Olivia & Diego erhalten diese Frauen fair entlohnte Arbeitsplätze und werden zu Kunsthandwerkerinnen ausgebildet.

Mit ihrem Projekt möchte Yana Santiago gleichzeitig noch ein weiteres drängendes Problem auf den Philippinen angehen: Ein Großteil der ausrangierten, nicht mehr tragbaren T-Shirts landet auf den ausgedehnten Müllhalden des Landes, welche für Umweltverschmutzungen und zahlreiche Gesundheitsprobleme der lokalen Bevölkerung verantwortlich sind. Deshalb werden für das Projekt gezielt ausrangierte T-Shirts sowie altes Büromaterial gesammelt und durch einen Upcycling-Prozess zu neuen Rohstoffen aufbereitet. Daraus entstehen dann die fröhlich bunten Accessoires von Olivia & Diego.

Den Arbeitsort können die Frauen nach ihren individuellen Bedürfnissen selbst wählen. Die Mütter arbeiten meistens von zuhause aus, so dass sie sich nebenbei um den Haushalt und ihre Kinder kümmern können. Dagegen ziehen es die Überlebenden des Menschenhandels in der Regel vor, gemeinsam in Werkstätten zu arbeiten. Dies hilft ihnen, Selbstvertrauen und ihre Eigenständigkeit zurückzugewinnen, sich auszutauschen und so das Erlebte zu verarbeiten.

Das Unternehmen kümmert sich nicht nur um die Ausbildung der Kunsthandwerkerinnen, sondern auch um die Produktentwicklung, das Design und den Vertrieb der Produkte. Der Erlös aus dem Verkauf der Produkte wird in die Entwicklung der Marke und den weiteren Ausbau der Ausbildungsmöglichkeiten für Frauen in schwierigen sozialen Situationen investiert. Außerdem sucht Olivia & Diego derzeit nach Partnerorganisationen, um die Frauen und ihre Familien zusätzlich im medizinischen Bereich zu unterstützen und ihren Kindern zu besseren Bildungsmöglichkeiten zu verhelfen.

Zur Situation der Menschen auf den Philippinen

Zu den Philippinen gehören 7107 Inseln im westlichen Pazifischen Ozean. Der Staat hat knapp 100 Millionen Einwohner. Die Amtssprache Filipino wird von 80% der Bevölkerung gesprochen, die zweite Amtssprache Englisch beherrschen mehr als die Hälfte der Einwohner. Die Analphabetenrate ist mit unter 5% für Südostasien vergleichsweise niedrig.

Die philippinische Wirtschaft weist die für viele Entwicklungsländer typische Zweiteilung auf: Eine moderne Elektronikindustrie und ein boomender Dienstleistungssektor sorgen auf der einen Seite für eine einkommensstarke, aufstrebende Mittelschicht. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor eine weit verbreitete Armut in den ländlichen Gebieten. Trotz eines zeitweilig starken Wirtschaftswachstums klafft die Schere zwischen den armen und reichen Gesellschaftsschichten immer weiter auseinander.

Schätzungen zufolge sind mindestens 60.000 Philippiner/-innen vom Menschenhandel in Südostasien betroffen. Dazu zählt sowohl der Handel mit billigen Arbeitskräften, die unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen, als auch der Menschenhandel im Bereich der Sex-Industrie. Menschen gelten dabei als Waren, die verkauft und benutzt werden. Insbesondere junge, oft noch minderjährige Mädchen aus armen Familien in ländlichen Gebieten werden von den Menschenhändlern mit dem Versprechen auf einen guten Job rekrutiert. Die Armut macht die Mädchen zu einer leichten Beute.

Zwar hat der philippinische Staat im letzten Jahrzehnt die rechtlichen Grundlagen für eine Verurteilung von Menschenhändlern geschaffen. Es wurde auch eine spezielle Polizeieinheit aus Frauen ausgebildet, um Menschenhändler aufzuspüren, zu verhaften und die Opfer zu retten. Dennoch ist die Zahl der Opfer noch immer erschreckend hoch, während die Zahl der verurteilten Menschenhändler immer noch sehr gering ist.

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